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2005-05-06
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Der Bahnhof Bozen muss bleiben!


Das Thema Bahnhofsverlegung in Bozen ist ein typisches heißes Eisen, an dem sich der Gegensatz zwischen Bauspekulation und umweltfreundlicher Verkehrspolitik deutlich äußert. Es ist ein typisches Beispiel dafür, wie bei uns Politik gemacht wird, nämlich in der Hinterstube. Durch Absprachen im kleinen Kreis zwischen Politikern und der Betonlobby will man vollendete Tatsachen auf Kosten der Bevölkerung schaffen.

Wenn es nach den Verfechtern dieses Projektes gehen soll, müsste der Bozner Bahnhof um ca. 500 Meter nach Osten Richtung Eisack verlegt werden und gleichzeitig der Busbahnhof sogar um rund 700 Meter. Auf diese Weise würde das zentrumsnahe Eisenbahnareal als wertvoller Baugrund für Handels- und Dienstleistungsstrukturen zur Verbauung frei werden, was den Appetit der Bauspekulanten natürlich mächtig angestachelt hat. Man tut jetzt fälschlicherweise so, als ob schon alles entschieden wäre, um die Gegner und Zweifler abzuschrecken. Tatsache ist, dass die entsprechenden Änderungen im Bauleitplan und andere Beschlüsse alle noch ausstehen. Bevor aber die zuständigen Gremien eine solch schwerwiegende Entscheidung treffen, müssen sie sich fragen, welche Lösung für die Bevölkerung am besten ist.
Die schwierige Verkehrslage und die in der kalten Jahreszeit miserable Luftqualität der Stadt (siehe Feinstaub!) erfordert u.a. eine drastische Verbesserung der öffentlichen Verkehrsmittel, um den privaten Verkehr entsprechend einzuschränken. Während in anderen wichtigen Städten deshalb die Hauptbahnhöfe bewusst im Zentrum belassen werden, will man in Bozen das genaue Gegenteil tun (!). Dadurch würde der private PKW-Verkehr sowohl der Stadtbewohner und Anrainer als auch der Pendler nicht nur nicht reduziert, sondern stattdessen stark angeheizt werden. Auch die Wohnqualität im Bozner Boden und in Rentsch würde eine Verschlechterung erfahren, weil der Bahnhof am neuen Standort wegen des zu tief liegenden Geländes auf einer ca. 5 Meter hohen und 400 - 500 Meter langen Betonplattform errichtet werden müsste, wodurch Tag und Nacht ein noch größerer Lärm entstehen würde als bisher der Fall ist.
Das neue Bahnhofsgebäude würde auch wie ein riesiger, hässlicher Betonwurm das Erscheinungsbild der Stadt erheblich beeinträchtigen.
Ich bin mit vielen MitbürgerInnen der Meinung, dass man statt der Bahnhofsverlegung der Variante 1 der Machbarkeitsstudie den Vorzug geben sollte. Diese sieht vor, dass die Zubringerstrecke von Kardaun nach Bozen vom Bozner Boden entfernt und in einen Tunnel unter dem Rittner Berg verlegt wird, wobei der Bahnhof seine bisherige Lage beibehalten würde. Dieser könnte ja dann dort ohne weiteres modernisiert und auch überbaut werden. Das durch den in Zukunft wegfallenden Güterverkehr frei werdende Gelände östlich des Bahnhofs kann dann sowohl für den Wohnbau als auch für kommerzielle und gewerbliche Zwecke verwendet werden. Um diese Zone besser an die Altstadt anzubinden, müsste es ohne weiteres möglich sein, im Zuge der Umgestaltung des Bahnhofs zusätzliche Straßen-Unterführungen zu errichten.
Was viele noch nicht wissen: im Mai dieses Jahres verfällt der Bozner Bauleitplan, d.h. in der nächsten Amtsperiode muss der Gemeinderat den neuen Bauleitplan verabschieden und die Weichen für die Zukunft der Stadt stellen. Alle Bürgerinnen und Bürger, Parteien und Verbände sind daher aufgerufen, dafür zu sorgen, dass „der Zug in die richtige Richtung fährt“ bzw. dass die „Kirche“ also der Bahnhof „im Dorf“ bleibt. Der bevorstehende Wahlkampf sollte dazu benutzt werden, dieses wichtige Thema zur Sprache zu bringen und die Parteien und Kandidaten zur Stellungnahme zu zwingen.

Karl Berger

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