Blind durch den Tunnel?
Das Essay von Markus Lobis von der Transitinitiative Südtirol hat mir nicht nur zu denken gegeben, sondern mich in höchstem Maße betroffen gemacht. Wie ist es möglich, dass die Landesregierung das gravierende Transitproblem jahrelang de facto vor sich hergeschoben hat, ohne eine klare Entscheidung zu treffen? Der Brennerbasistunnel soll jetzt plötzlich als das Patentrezept oder die Zauberformel herhalten, um den WählerInnen eine Lösung vorzugaukeln. Die Transitinitiative Südtirol und andere Fachleute (siehe Fritz Gurgiser in seinem Leserbrief) haben aber nachgewiesen, dass das Riesenprojekt in dieser Form eine NICHTLÖSUNG ist, die bereits in der Planungsphase sehr viel Geld gekostet hat (man spricht von ca. 250 Mio Euro); weitere 200 Mio sollen folgen(!). Es braucht nicht sehr viel Phantasie, um sich auszurechnen, dass der Großteil dieser Summen letzten Endes von uns Steuerzahlern getragen wird. Sollte das Projekt in dieser Form verwirklicht werden, so würde der Bau dieser Nichtlösung Unsummen verschlingen und die betroffene Bevölkerung und die Umwelt 10-15 Jahre einer enormen Belastung aussetzen, mit dem Ergebnis, dass mehr oder weniger alles beim Alten bleibt...
Die Landesregierung muss noch rechtzeitig vor den Landtagswahlen Farbe bekennen und den WählerInnen reinen Wein einschenken! Entweder sie zieht die Konsequenzen und stoppt das vorliegende Projekt oder sie übernimmt sonst die volle Verantwortung dafür, dass sie der Bevölkerung wissentlich die Folgen dieser ungeheuerlichen Fehlinvestition zumutet.
Leserbrief von Arch. Roland Girardi, Vize-Sprecher DPS,
in "FF" No. 31 vom 31. Juli 2003