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2004-06-09
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Der Aufroller

ff 17/04 über die Wahl von Elmar Pichler-Rolle zum SVP-Obmann

Die Wahl von Elmar Pichler-Rolle ist zweifellos ein erstaunliches Ergebnis. Der Ausgang der Landtagswahlen im Herbst und die anschließenden Turbulenzen in der Partei und in der Landtagsfraktion haben einen außerordentlichen Schwächezustand der Partei bewirkt, ohne welche die Wahl Pichler-Rolles wahrscheinlich nicht möglich gewesen wäre. Seine Nominierung ist ein Glücksfall für die SVP und hat sie vorläufig von einer schweren Vertrauenskrise oder gar von einem vorzeitigen Auseinanderbrechen gerettet. Jetzt kommt im Parteivolk wieder neue Hoffnung auf, und große Erwartungen werden in den neuen Obmann gesetzt. Wird es ihm gelingen, diese zu erfüllen?
Er wird es schwer haben gegen einen übermächtigen und gerissenen Landeshauptmann, gegen den Großteil des Partei-Establishments, die Macht der Verbände und nicht zuletzt gegen die Skepsis der Ebner- Familie. Seine Gegner werden zunächst aus taktischen Gründen nach außen gute Miene demonstrieren, aber hinter den Kulissen ihm das Leben schwer machen, wenn er mit seinen Vorsätzen und Reformzusagen Ernst machen will.
Welche Hausmacht hat er schon? Die Basis, die ihn nach oben getragen hat, ist zu amorph und zersplittert, als dass sie ihm auf die Dauer eine wirksame Stütze sein könnte. Früher oder später wird er sich entweder anpassen müssen oder er wird scheitern. Denn es ist eine Illusion zu glauben, man könne diese Partei von innen her erneuern. Die Machtverhältnisse sind viel zu stark verwurzelt und das bestehende Netzwerk der Interessen viel zu ausgedehnt und fein gesponnen.
Das SVP-Wählervolk sollte sich daher von der augenblicklichen "Rolle"-Euphorie nicht täuschen lassen. Eine Veränderung der Zustände in unserem Lande kann nur durch einen starken Druck von "außen" kommen, d.h. durch eine weitere Stärkung der Opposition. Jede Wahl gibt die Gelegenheit dazu. Mittelfristig könnte dem neuen Obmann ein weiteres Anwachsen der Opposition sogar parteiintern mehr Rückwind verschaffen.


Leserbrief von Karl Berger, Bozen,
in "FF" No. 18 vom 29. April 2004

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