Die Schützen Gewehr bei Fuß?
Während die Kirche den Inhalt der religiösen Feiern schon längst der heutigen Zeit angepasst hat, haben die Schützen diesen Schritt offensichtlich noch nicht geschafft. Im Gegenteil: Durch die "Wiederaufrüstung" mit Gewehren haben sie den Gedanken der militärischen Landesverteidigung wieder in den Vordergrund gerückt. Am letzten Sonntag haben die Schützen diese Einstellung mit Salutschüssen und dem Tragen der Gewehre bei Gottesdienst und Prozession eindeutig vorgeführt.
Der offensichtliche Missbrauch der religiösen Feiern ist eine Sache; eine andere ist die Frage, gegen welchen Feind hier "Wehrbereitschaft" demonstriert werden sollte. Gegen Rom, gegen Brüssel, gegen den Iran oder vielleicht sogar gegen Bin Laden? Wenn die Schützen nicht gänzlich zu einem belächelten Traditionsverein herabsinken wollen, sollten sie die Schießprügel gerade am Herz-Jesu-Sonntag daheim lassen. Der Feind kommt nicht mehr von außen, sondern er steht im Innern und droht das Land gründlich zu verderben:
Rücksichtsloses Machtstreben, Raffgier und Spekulationswut, Vetternwirtschaft und Korruption, Verschwendung öffentlicher Gelder, ungleiche und ungerechte Behandlung der Bürger, Unterdrückung der demokratischen Spielregeln, Zerstörung der Umwelt, Missachtung der Pflicht zu umfassender und ausgewogener Information, in anderen Worten ein allgemeiner Verfall der öffentlichen Moral zerstört den Bestand unseres Landes. Gegen diese Bedrohung und gegen die Verantwortlichen, die diese Entwicklung verursachen oder zulassen, gilt es ins Feld zu ziehen. Hier wäre für ein zeitgemäßes Schützentum ein weites Betätigungsfeld. Allerdings sind hierfür auch klare Aussagen der obersten moralischen Instanz im Lande notwendig.
Leserbrief von Karl Berger, Sprecher DPS,
in "FF" No. 28 vom 10. Juli 2003