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2005-05-14
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Grüner Frühling


Artikel aus "Die Neue Südtiroler Tageszeitung" Nr. 57 vom 22. März 2005, S. 9

von Thomas Vikoler

Mit der Amtsdirektorin Patrizia Trincanato und dem Leiferer SVP-Vizebürgermeister als Spitzenkandidaten wollen die Bozner Grünen mindestens zehn Prozent der Stimmen erreichen. Ihre Forderungen: Ein Sondergesetz für Bozen als Landeshauptstadt und die Durchsetzung des Prinzips der Interethnizität in der Gemeindeverwaltung.

Grüne Luftballone. Blumengestecke. Wassereis für alle. Die Stimmung vor dem Café St. Anton an der Talferpromenade ist frühlingshaft ausgelassen. Schließlich ist heute Frühlingsanfang und die Bozner Grünen haben den Tag für die Kandidatenpräsentation bewusst gewählt. "Wir wollen frische Luft in den Gemeinderat bringen", lautet der von Wahlkampf-Koordinator Riccardo Dello Sbarba ausgegebene Slogan, der mehrmals wiederholt wird. Die Grünen als neue Kraft in Bozen? Nach fünf Jahren Mitregieren im Rathaus? Mit dieser Kandidaten-Liste?
Auch die anderen Bozner Parteien erkennen neidvoll an, dass die Grünen für die Gemeinderatwahl am 8. Mai eine gute "Einkaufskampagne" hingelegt haben. In der ersten Reihe der weißen Hartplastik-Stühle sitzen Personen, die man vor einem halben Jahr kaum auf der grünen Liste vermutet hätte: Der Lauben-Kaufmann Dieter Kucera, 65, der erst vor wenigen zusagte und sich nun überrascht zeigt, wie viele Reaktionen die Zeitungsmeldungen darüber ausgelöst haben. Patrizia Trincanato, 46, Direktorin im Amt für Familie der Stadt Bozen und Erfinderin des "Kindersommers". Gianni Lanzinger, 63, ehemaliger grüner Abgeordneter, aber seit Jahren außerhalb der Parteipolitik – und Reinhard Christanell, Gerichtvollzieher, Poet und amtierender SVP-Vizebürgermeister von Leifers.
50 Namen scheinen derzeit auf der grünen Liste auf. Anders als bei den Landtagswahlen 2003, als es ein Dutzend privilegierter Kandidaten gab, hat man sich für die alphabetische Reihung entschieden – und zwei Spitzenkandidaten am Beginn der Liste: Trincanato und Christanell.
Christanell, der größte Fang der Bozner Grünen, tritt gleich in die Rolle eines Vordenkers. Man gewinnt den Eindruck, dass hier jemand spricht, der sich von einem Korsett befreit, das ihm seit Längerem zu eng ist. Andererseits ist er der einzige - neben Stadtrat Stefano Fattor -, der bei den Grünen Regierungsverantwortung hat. Drei Punkte nennt der Leiferer Stadtrat für Urbanistik und Verkehr, die ihm besonders am Herzen zu liegen scheinen: Die Befreiung Bozens aus der Übermacht des Landes. "Es braucht ein Sondergesetz für Bozen, das dem Status der Stadt als Regierungs- und Verwaltungszentrum Rechnung trägt." Allgemein müssten sich die Gemeinden vom Land emanzipieren, das ihnen mehr oder weniger vorgebe, was sie zu tun hätten. "Man hat die Landesverwaltung ständig im Genick, Bozen braucht mehr Autonomie", betont Christanell. Punkt zwei: Die "Lösung des ethnischen Knotens". Die Bevölkerung der Stadt Bozen lebe in einer Zwangsjacke, die es ihr nicht möglich mache, mit der jeweils anderen Sprachgruppe wirklich in Kontakt zu treten. Eine moderne, weltoffene Stadt müsse sich von dieser Zwangsjacke befreien. Mit-Kandidat Gianni Lanzinger präzisiert: "Das Interethnische muss in Bozen, auch in der Verwaltung, zu einem allgemeinen Prinzip werden. Bei unseren Verhandlungen mit Giovanni Salghetti Drioli über eine Regierungsbeteiligung muss diesem Aspekt Rechnung getragen werden." Und schließlich erklärt Reinhard Christanell die Bozner Verkehrspolitik für zu engstirnig und fordert statt einem Verkehrsplan einen Mobilitätsplan, der alle Aspekte der Fortbewegung berücksichtige.
Die Grünen verstehen sich, jedenfalls bei der gestrigen Kandidaten-Präsentation, als die treibende innovative Kraft im Mitte-Links-Bündnis. Stadtrat Fattor erinnert daran, dass vier der fünf vom Bürgermeister genannten herausragenden Leistungen von Mitte-Links grünen Köpfen entstammten. Bei den vergangenen Gemeinderatswahlen erzielten die erstmals angetretenen Grünen gut sechs Prozent der Stimmen. Diesmal rechnen sie mit mindestens zehn Prozent.
Einige weitere Namen von der Kandidaten-Liste: der Gewerkschafter Gigi Apolloni, 73, der Theatermacher Luis Benedikter, Centaurus-Präsidentin Ingrid Facchinelli, Oberau-Aktivist Pietro Frigato, Staatsarchiv-Direktor Hubert Gasser, WWF-Präsident Pierluigi Gaianigo, der verhinderte Postdirektor Johann Gruber von der DPS, die aus Finnland stammende Önologin Brigitta Puustinen, der Event-Manager Thomas Rainer, der Architekt Hermann Trebo, Stadtviertelrätin Claudia von Lutterotti und die vier Jugendkandidaten ("g.eco") Martin Fink, Hannah Lausch, Andi Gschleier und Florian Huber.

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