"Morgentelefon" mit Arch. Roland Girardi
RAI - Sender Bozen: Herr Girardi, wenn Sie den sprichwörtlichen Mann auf der Straße nach der Bedeutung des Kürzels DPS fragen, rechnen Sie dann mit einer korrekten Antwort?
Arch. Roland Girardi: Die Demokratische Partei Südtirol ist immerhin seit fünf Jahren ein Faktum in der Südtiroler Politik, auch wenn wir nicht im Landtag vertreten sind. Der Bekanntheitsgrad hat sich in den letzten Wochen stark erhöht. Zudem gehen wir jetzt in die Offensive. Als zukunftsorientierte Partei setzen wir dabei sehr stark auf die neuen Medien. Unsere Homepageadresse www.d-p-s.org wird in den nächsten Wochen stark beworben werden. Bis zum Herbst wird dann das Kürzel DPS auch dem Mann von der Straße ein Begriff sein, den er hoffentlich mit einer neuen politischen Kultur verbindet.
Dieses Schattendasein bedrückt Sie nicht?
Ich führe fürwahr kein Schattendasein, das ist Ihre Interpretation. Im Gegenteil ich bin stolz, dass ich die Möglichkeit habe an vorderster Front, im Licht der Öffentlichkeit an der Entwicklung für eine neues politisches Bewusstsein mitzuarbeiten.
Es schürt auch nicht den Zweifel, ob man doch im falschen Boot sitze oder in die falsche Richtung rudere?
In keiner Weise. Gegenwind belebt den Geist. Und die Tatsache, dass eine erdrückende Mehrheit in eine bestimmte Richtung drängt, bedeutet noch lange nicht, dass das die richtige Richtung ist. Als Korrektiv wirken zu können ist höchst motivierend.
Zu ihren Erfahrungen in der Gemeinde, als Gemeinderat. Kommt aus dieser Arbeit die Motivation für eine Kandidatur?
Zum Teil ja, aber ich bin Architekt und arbeite an der Erziehung der Jugend, beide Aufgaben verlangen viel Verantwortung und Fantasie. Diese Eigenschaften sind auch in der Politik gefragt. Ich habe in meiner 13jährigen Erfahrung als Gemeinderat einer Minderheitsgruppierung gelernt, dass steter Tropfen den Stein höhlt. Nur wenn man sich einmischt kann man Dinge verändern. Auch wenn man oft zuerst überhört und überstimmt wird, bewirkt ein ständiges Pochen auf bestimmte Werte und auf einen bestimmten politischen Stil ein Umdenken in der Mehrheitspartei. Im Sarntal ist es mir gelungen, dass mittlerweile bestimmte Sachverhalte und Entscheidungen Partei übergreifend diskutiert werden. Oder anders ausgedrückt, ich habe die kritischen, klugen Geister, die es durchaus auch in der SVP gibt, dazu motiviert, selbstbewusst ihre Meinung zu sagen und aus dem Schattendasein des Handaufhebers herauszutreten.
Wen aber vertreten Sie eigentlich?
Wir vertreten die Menschen, denen das derzeitige politische Korsett zu eng geworden ist: kritische und selbstbewusste BürgerInnen. Die Demokratische Partei Südtirol lässt sich von einem Menschenbild leiten, in dem Freiheit und soziale Verpflichtung, persönliche Verantwortung und Solidarität untrennbar zusammengehören. Viele SüdtirolerInnen haben inzwischen eine gute Bildung und Ausbildung und wollen nicht nur im Beruf, sondern auch im gesellschaftlichen und politischen Leben mehr zählen und mitreden.
Die zentralen Themen?
Ganz allgemein gesehen: Soziale Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Offenheit, ein liberales Lebensumfeld, Solidarität mit den Schwächsten unserer Gesellschaft. Aber auch konkretere Themen: Demokratiereform, die Transitproblematik (wir unterstützen vollinhaltlich die Bemühungen der Transitinitiative), tiefgreifende Reform der Institutionen (es ist was faul im Staate Dänemark, Ausuferung der Bürokratie, Filz und Ungerechtigkeiten, Machkonzentration), Zukunftssicherung des Wirtschaftsstandortes Südtirol.
Die Argumente mögen manchen überzeugen, aber die Mannschaft bzw. Grüne und DPS präsentieren sich eher ineffizient, zerfahren, es gibt ein Gerangel um die Listenplätze, auch der Streit zwischen den bisherigen Spitzenkandidatinnen Kury und Zendron wirkt noch immer nach. Das sieht mehr nach alter Partei denn nach neuer Bewegung aus?
Das ist wiederum Ihre Interpretation der Sachlage. Die Tatsache ist, dass es innerhalb unserer Listenverbindung sehr konstruktive Gespräche gibt. Dabei geht es kaum um Listenplätze, sondern um Strategien wie man neue Wählerschichten für unser spannendes und innovatives Programm gewinnen kann.
Aber auch die DPS sucht immer noch nach Kandidaten, insgesamt 9 sollen es wohl sein, die Frauenquote - heißt es - ist noch nicht erfüllt?
Wir haben noch Zeit. Wie es unser Spitzenkandidat Riccardo dello Sbarba formuliert hat: Das Layout sollte möglichst spät abgeschlossen werden, um bis zum letzten Augenblick die Tür für spannende Neuerungen offen zu lassen.
Im Tandem mit den Grünen also: Was will, was kann die DPS zum Wahlkampf beitragen, investieren?
Wir treten zwar als klar erkennbare Gruppierung auf, jedoch innerhalb einer gemeinsamen, geschlossenen Liste. Wir stehen für eine Öffnung der bürgerlichen Schichten und werden unsere speziellen Themen einbringen wie liberaleres Gedankengut, Wirtschaftskompetenz, Erneuerungsthema u.a.m.. Der Wahlkampf erfolgt in Absprache bzw. in enger Zusammenarbeit mit den Grünen.
Anzeigen in einer der Tageszeitungen, etwa mit einer Tischler-Karikatur hat man von Ihnen noch nicht gesehen?
Wie ich schon erwähnt habe, setzen wir als zukunftsorientierte Partei auf die neuen Medien. Ab den nächsten Wochen werden wir kleine Anzeigen schalten, die auf unsere Homepage www.d-p-s.org verweisen. Dort können wir uns ausgiebig präsentieren, aktuell sein, effizient und rasch auf tagespolitische Ereignisse reagieren und in direkten Kontakt mit den BürgerInnen und unseren möglichen WählerInnen treten. Außerdem werden wir auch innovative und originelle Formen des Wahlkampfes einsetzen, lassen Sie sich überraschen. Die von der SVP eingesetzte Materialschlacht führt sich ad absurdum.
Was würden Sie als Erfolg bezeichnen, was wäre eine Niederlage?
Für mich ist es bereits ein Erfolg, dass wir die Demokratische Partei Südtirol in den letzten fünf Jahren weiter belebt und uns nicht als typische Eintagsfliege erwiesen haben. Es gilt an längerfristigen Projekten zu arbeiten und zu glauben. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass es eben seine Zeit braucht, bis sich bestimmte Denkmuster verändern. Ich hoffe, dass die Wähler im Herbst diesbezüglich ein klares Zeichen setzen. Der Wahlausgang ist als Teil einer langfristigen Entwicklung bzw. eines Bewusstseinsprozesses zu sehen, der früher oder später zum Erfolg führen wird.